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  • Rahel Ebner

Weshalb du von mir keine Jahresvorsätze hören wirst...

...und ich der Meinung bin, auch du solltest deine vielleicht überdenken!


Grosse Ansage, provokativ und bestimmt nicht der Business Bubble entsprechend, in der ich mich teils bewege und trotzdem: Diese Zeilen müssen sein. Für mich. Vielleicht auch für dich?


Ich schreibe hier über meine ehrlichen Gedanken & Impulse zu einem Thema, dass mir in den vergangenen Tagen unglaublich auf den Keks ging – oder mir wieder einmal mehr aufzeigte, wie ansteckend Vergleicheritis ist, oder sein kann!


Wie oft habe ich in den letzten Monaten gelesen, du musst nur manifestieren und du erreichst, was du dir vornimmst! Schreib dir einfach alles auf, schau es täglich an und du wirst es erreichen oder der Klassiker; mein Jahresumsatz war 6-stellige und auch du kannst das erreichen, wenn du das richtige Mindset dazu hast!


Ach, alles Bullshit! Wieso? Manifestieren und Mindset kann einen ganz schön kaputt machen, zumindest ging es mir so. Aber fangen wir doch mal beim Beginn 2021 an. Der berufliche Widereinstieg stellte sich für mich als eine grössere Herausforderung dar, als gedacht – darüber habe ich hier bereits geschrieben. Ich hatte es satt, mich passend zu machen. In meiner Geschichte meine Mutterrolle passend zu machen, dass diese nicht als Lücke in meiner Laufbahn verstanden wird. Und irgendwann war ich am Punkt angekommen, an welchem ich meine Geschichte selbst erzählen wollte. Ich wollte nicht mehr behandelt werden, ich wollte handeln und entschied mich im Januar den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Schön brav habe ich meine Jahresvorsätze aufgeschrieben. Wie man's halt so macht. Hab alle Ziele für mein 2021 aufgeschrieben und täglich daran gearbeitet, diese zu erreichen:

  • Von den Behörden anerkannte Selbständigkeit

  • Website live bis Februar 2021

  • 3 zahlende KundInnen bis März 2021

  • Erfolgreicher Studienabschluss im 2021

Da gab es Phasen, in denen ich bemerkte, dass das so nicht gesund sein kann, aber irgendwie musste ich doch aus dieser Situation, in der ich mich befand, rauskommen. Dies war der Weg, den ich eingeschlagen respektive aufgeschrieben hatte. Diese Vorsätze sollten doch machbar und erreichbar sein?! Ich hatte ja das Mindset dazu! Mitte Oktober war es dann soweit und ich hatte meine Ziele fürs 2021 erfüllt... und dann? Na, dann kam die Zeit, in der ich endlich wieder von meinem Kopf zurück in meinen Körper fühlte und ich war eigentlich nur eins: Ausgelaugt!


Natürlich war ich stolz – erschöpft aber noch mehr und feiern konnte ich meinen Erfolg überhaupt nicht. Wieso konnte ich zu der Zeit nicht in Worte fassen. Glückwünsche für meinen Abschluss nahm ich ziemlich anteilnahmslos entgegen und bedankte mich, aber freuen? Irgendwie ging das nicht. Und natürlich verunsicherte mich diese Situation. Wieso kann ich mich nun nicht freuen? Endlich hatte ich meinen Abschluss trotz Familie und Selbständigkeit. Ich wollte doch genau all das – hab es mir aufgeschrieben, täglich angeschaut und hart dafür gearbeitet und dazu noch erreicht?!


Das Gefühl liess mich den Herbst über nie wirklich los, begleitete mich über die kalten Novembertage bis ins neue Jahr. Bis in die Zeit, wo die Onlinewelt das Manifestieren, die Jahresrückblicke zu vielstelligen Beträgen und die Vorsätze für das neue Jahr in einem Mass zelebriert, dass ich irgendwann an einem Punkt war, wo ich wusste; noch ein Post mehr, und ich muss mich übergeben!


All die Jahresrückblicke, das Um-sich-werfen-mit-6-stelligen-Beträgen und unglaublichen Erfolgen lösten in mir etwas aus. Dieses Manifestieren und Zelebrieren triggerte bei mir etwas. Nur was?


Inzwischen sind seit dieser Zeit ein paar Tage vergangen. Inzwischen sehe ich es klar vor mir. Endlich konnte ich fassen, wieso ich mich nicht freuen konnte und vorallem, wieso dieses Manifestieren und Zelebrieren mich so triggerte: Auch ich habe manifestiert!


Erreicht habe ich das Aufgeschriebene. Aufgrund meines Manifestierens? Wer weiss! Hat es mir etwas gebracht? Nein, nur unglaublichen Druck, der zur Erschöpfung führte. Ich war so erschöpft, dass ich nicht mal meine Erfolge geniessen, geschweige denn feiern konnte. Mein Manifestieren hat mir fast das Genick gebrochen. Ich betonte zwar immer "wenn es nicht klappt, dann soll es nicht sein" – aber Panik hatte ich unterbewusst trotzdem immer. Panik vor dem Scheitern.


Paradoxerweise habe ich selbst im Mai dazu einen Beitrag geschrieben und auch mich selbst damit erinnert, dass ein Scheitern nicht ein Scheitern sein muss, sondern vielleicht viel mehr die Ungeduld.


Inzwischen steht für mich fest, manifestieren ist nicht für jeden Menschen und wenn du nicht das Wesen dazu bist, dann lass lieber die Finger davon. Ich für meinen Teil gehe zurück zum Kaizen.


Vielleicht zählt das Ziel am Ende wirklich nicht, sondern vielmehr das Wie und das wird bei mir künftig nicht mehr manifestiert.


Was ich mir trotzdem vorgenommen habe? Weniger Vergleicheritis und mehr Ichbins – ohne zu manifestieren, in kleinen Schritten. Und du? Manifestierst du noch oder bist du schon?

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